WurzelspitzenresektionAbb. 1

Mikrochirugische Wurzelspitzenresektion

Bei einer Entzündung der Wurzelspitze wird diese operativ verkürzt und der Wurzelkanal von der Spitze her gereinigt, aufbereitet und mit einem Zement wieder dicht verschlossen. Wurzelspitzenresektionen dienen der Beseitigung von Entzündungsgewebe oder Zystengewebe an der Wurzelspitze sowie der Entfernung möglicher infizierter Kanäle in den letzten 3 mm bis zur Wurzelspitze. Der zeitliche Aufwand einer Wurzelspitzenresektion ist abhängig von der Anzahl der Wurzeln des Zahnes, beziehungsweise wie viele Wurzeln eines Zahn resiziert (gekürzt) werden müssen.

Wann wird eine Wurzelspitzenresektion gemacht?

  • Misserfolg bei konventioneller Wurzelkanalbehandlung
  • Blockierter Wurzelkanal (Obliteration, Stifte oder abgebrochene Wurzelkanalinstrumente)
  • Wurzelfüllmaterial: massiv überfüllte Kanäle mit Beteiligung angrenzender Nachbarstrukturen
  • Via Falsa, die bei konventioneller Behandlung therapieresistent ist
  • Radikuläre Zysten
  • Wurzelquerfrakturen im unteren Drittel

WurzelspitzenresektionAbb. 2

Welche Vorteile verschafft der Einsatz des Mikroskops dem Patienten?

  • Der vollständige Verschluss des Wurzelkanals bedeutet langfristige Abheilung der Entzündung an der Wurzel.
  • Durch die Vergrößerung und das mikrochirurgische Instrumentarium verkleinern sich die Wundfläche und der Knochenzugang zur Wurzelspitze. Das bedeutet eine geringe Schwellung nach dem Eingriff und weniger Schmerzen.
  • mehr Sicherheit, um die gefährdeten Nachbarstrukturen wie Nerven und Wurzeln von Nachbarzähnen nicht zu verletzen

Welche Vorteile verschafft das Mikroskop dem Operateur bei der Wurzelspitzenresektion?

  • Die optische Vergrößerung des OP-Feldes ermöglicht die Darstellung und Behandlung des Wurzelkanalsystems und der gefährdeten anatomischen Nachbarstrukturen.
  • Die vollständige Ausleuchtung des OP-Feldes auch im abgewinkelten Strahlengang
  • Die Verwendung von mikrochirurgischem Instrumentarium und Nahtmaterial

WurzelspitzenresektionAbb. 3

Wurzelkanalbehandlung oder Extraktion?

Natürliche Wurzeln sind häufig mit technischen Instrumenten durch den Wurzelkanal aufgrund ihrer starken Krümmungen nicht zu erweitern und dadurch auch nicht zu desinfizieren. Bakterien verbleiben in der Wurzel. Die Folge sind Schmerzen und Aufbißempfindlichkeiten am Zahn trotz der Wurzelkanalbehandlung. Ein Beispiel einer 180-Grad-Krümmung in einer Wurzel zeigt die Abbildung 3. Die letzte Rettung für den Zahn ist das Abtrennen des extrem gekrümmten und infizierten Wurzelanteils.

Auf Abbildung 4 sieht man, wie sich der Wurzelkanal an der Wurzelspitze verzweigt. Das macht die Entfernung der Bakterien aus dieser Region sehr schwierig und führt unter Umständen zum Mißerfolg der Wurzelkanalbehandlung.

WurzelspitzenresektionAbb. 4

Bei der Inspektion des Wurzelkanals ergeben sich folgende Befunde:

  • Sanduhrförmige Verbindungen zwischen den Kanälen
  • Ungefüllte ampullenförmige Ausstülpungen
  • Ungefüllte Seitenkanäle
  • Mikrofrakturen

Ergebnisse der Wurzelspitzenresektionen aus der Praxis von Dr. Stefan Möller aus dem Jahre 2003

Bei 156 apikalen Läsionen (Gruppen A-C nach Kim, 2001) liegt 6 bis 12 Monate nach einer mikrochirurgischen Wurzelspitzenresektion mit retrogradem Verschluss bei 133 Wurzelspitzen eine vollständige Ossifikation der apikalen Läsion vor, sowie Beschwerdefreiheit. An 10 Läsionen erhielten wir eine Teilregeneration bei Beschwerdefreiheit. 13 apikale Läsionen zeigten keine Heilungstendenz und blieben symptombehaftet mit pathologischen Befunden. Das entspricht nach 12 Monaten eine Erfolgsquote von 85,2%.

Fazit

Die Anwendung mikrochirurgischer Techniken in der endodontischen Chirurgie erscheint bei der Größe der zu behandelnden Strukturen unerlässlich. Ein dichter retrograder Verschluss des Neoapex ist obligat. Das OP-Mikroskop ermöglicht bei einer bis zu 20-fachen Vergrößerung eine gute Ausleuchtung des OP-Feldes.
Die ergonomische Arbeitshaltung und die Fernakkomodation entlasten den Operateur bei längeren Eingriffen.
Wir erzielen nach 12 Monaten in den Defektklassen A-C (Kim, 2001) bei 85% eine vollständige Ossifikation der Läsionen bei Symptomfreiheit. Es zeigen sich keine pathologischen Befunde.