Zweck des Sinusliftes
Der Grund für eine Sinusliftoperation liegt in der insuffizienten vertikalen Dimension des Oberkiefers im posterioren Bereich. Diese anatomische Region ist besonders kritisch für eine Implantatinsertion wegen der eher ungeeigneten Knochenstruktur, da der Knochen vorwiegend aus Spongiosa besteht.

Nach Zahnverlust wird der Knochen in coronar-apikaler Richtung resorbiert. Aus Richtung der Kieferhöhle kommt es durch lebenslang fortschreitende Pneumatisierung zu einer Reduktion des vertikalen Knochenangebotes. Gleichzeitig sind jedoch die funktionellen Anforderungen während des Kauvorganges im posterioren Bereich sehr hoch.
Der Sinuslift stellt eine Behandlungsoption im posterioren Oberkiefer dar, durch die eine für eine Implantatinsertion ausreichende vertikale Höhe erreicht werden kann. Zu diesem Zweck wird ein Füllmaterial unterhalb der Kieferhöhlenschleimhaut in die Region des knöchernen Kieferhöhlenbodens eingebracht.

Diagnostische Verfahren
Für die Diagnostik im Sinusbereich werden meist die Nasennebenhöhlenaufnahme (NNH) und das Orthopantomogramm (OPG) verwendet. Die NNH ist geeignet, um Radioopazitäten nachzuweisen, das OPG für die Untersuchung des Knochenangebotes und anatomische Anomalien wie Septen und zystenartige Pathologien. Die Computertomografie (CT) liefert Aufnahmen in sämtlichen Dimensionen, mit denen neben den knöchernen Strukturen auch die Dicke der Kieferhöhlenschleimhaut ermittelt werden kann. CT-Aufnahmen sind nicht obligatorisch vor dem Sinuslifteingriff, sie sind jedoch angebracht, wenn aufgrund der Patientengeschichte oder der röntgenologischen Untersuchung weitere Informationen vonnöten sind. Zudem vermitteln sie dem unerfahrenen Chirurgen ein besseres Bild der präoperativen Situation.

Chirurgisches Verfahren
Beim seitlichen Zugang nach einer modifizierten Caldwell-Luc-Vorgehensweise erfolgt der Zugang auf oder palatinal des unbezahnten Kieferkamms. Ein vertikaler Entlastungsschnitt kann in der anterioren Fossa canina gelegt werden. Das Periost wird vom posterioren Oberkiefer abgelöst. Mit einem Rosenbohrer wird eine Osteotomie von der Größe des geplanten Fensters angelegt. Einer ovalen Osteotomie ist der Vorzug zu geben gegenüber einer rechteckigen Form oder einer Trapezform, um scharfe Kanten zu vermeiden, die die Kieferhöhlenschleimhaut verletzen könnten. Bei der Präparation muß auf eine Schonung des neurovasculären Bündels beim Austritt aus dem Foramen infra-orbitale geachtet werden.
Die Kieferhöhlenschleimhaut wird vorsichtig entlang des Randes der Öffnung angehoben, und der freie Knochen wird horizontal in die Kieferhöhle rotiert und dient als Decke für das Knochentransplantat. Das Füllmaterial wird eingesetzt und der Mukoperiostlappen repositioniert. Die Implantatinsertion erfolgt entweder simultan während der Sinusaugmen-
tation oder ca. 6 Monate nach Einheilung. Nach der Augmentation kann das Fenster mit einer Membran verschlossen werden. Als Verschluß kommen Polyactidmembranen und nichtresorbierende ePTFE-Membranen infrage.
Der sogenannte interne Sinuslift nach Summers bezieht sich auf Situationen mit mindestens 4-6 mm Restkammhöhe und ausreichender Breite. Es wird eine Trepanbohrung bis kurz unter die Kieferhöhlenschleimhaut angelegt und mithilfe von Osteotomen der Knochen nach kranial verlagert, so daß ein ausreichendes vertikales Implantatlager entsteht. Alternativ zum eigenen Knochen wird auch partikuläres Knochenersatzmaterial verwendet. Das Verfahren eignet sich nicht für höhere Grade von Kieferkammatrophie.
Sowohl die simulatane als auch die späte Implantatinsertion können nach der sinus consensus conference mit autogenem oder nicht-autogenem Knochenmaterial erfolgreich durchgeführt werden. Ein kritischer Faktor für die Entscheidung, wann das Implantat gesetzt werden soll, ist die Primärstabilität. Diese nimmt mit steigender Höhe des residualen Alveolarkammes zu. Normalerweise ist eine ausreichende Primärstabilität bei einer Knochenhöhe von 5 mm oder weniger eher fraglich. Misch (Misch, 1999) schlägt eine Mindestgrenze für eine simultane Implantatinsertion von 10 mm vor, um Komplikationen zu vermeiden.

Augmentationsmaterial
Neben autogenem Knochenmaterial wurden Allotransplantate, Xenotransplantate und alloplastische Materialien für die Sinusaugmentation verwendet. Das zu erwartende Resultat ist abhängig von den regenerativen Eigenschaften des Augmentationsmaterials.
Autogenes Knochenmaterial gilt als der Goldstandard wegen der osteogenetischen, osteoinduktiven und osteokonduktiven Eigenschaften. Es kann intraoral oder z.B. vom Beckenkamm entnommen werden. Bei Allotransplantaten in Form von demineralisiertem oder mineralisiertem gefriergetrockneten Knochen fehlen die osteogenetischen Eigenschaften. Xenotransplantate sind osteokonduktiv und haben den Vorteil der schnellen Verfügbarkeit. Alloplastische Materialien haben vorwiegend osteokonduktive Eigenschaften und den Vorteil, daß die Übertragung von infektiösen Partikeln ausgeschlossen werden kann.
Während der sinus consensus conference von 1996 haben 38 Operateure ihre retrospektiven Daten von 2997 Implantaten gepoolt. Die Auswertung ergab, daß sämtliche Arten von Augmentationsmaterialien gleich erfolgreich sind. Die Gesamterfolgsrate lag bei 90,0% nach 3 Jahren, was etwa den Resultaten von longitudinalen Studien entspricht.
Die Überlebensstatistik zeigte, daß Implantate mit rauher Oberfläche signifikant weniger Ausfälle zeigten als solche mit glatter Oberfläche.
Trotz limitierter Datenmenge zeigt sich, daß die Residualhöhe des Alveolarkammes einen wichtigen Einfluß auf die Erfolgrate hat. Auch Rauchen scheint einen Einfluß auf die Implantateinheilung zu haben, der in einer um 7% höheren Ausfallrate gegenüber Nichtrauchern resultiert.

Komplikationen
Allgemeine Kontraindikationen für einen Sinuslifteingriff sind akute Sinusitis, Zysten und Tumoren.
Bei Entzündungen im Bereich der Füllung muß diese entfernt werden bei gleichzeitiger antibiotischer Therapie. Der Heilungsverlauf muß abgeschlossen sein, bevor der Bereich neu aufgefüllt werden kann. Eine Sekundärheilung im Bereich der Inzision wurde häufig beobachtet, wenn bei der Kieferhöhlenschleimhaut kein spannungsfreier Wundverschluß erzielt wird.
Perforationen der Kieferhöhlenschleimhaut sind die am häufigsten vorkommenden Komplikationen. Hierbei wird das Augmentat exponiert und es kann eine bakterielle Infektion der Kieferhöhle und angrenzender Nebenhöhlen resultieren.
Eine weitere mögliche Komplikation ist eine Sinusitis, d.h. pathologische Veränderungen der Kieferhöhlenschleimhaut. Die Häufigkeit wurde von Jensen et al. zwischen 0 und 20% angegeben. Eine Sinusitis kann sich als Verdickung der Kieferhöhlenschleimhaut klinisch und radiologisch äußern. Die klinischen Symptome umfassen behinderte Nasenatmung, Sekretion und Kopfschmerzen.
Postoperative Blutungen stellen eine weitere Komplikation dar. Sie äußern sich als Nasenbluten oder Blutungen aus dem Rachenraum. Schwere Blutungen bedürfen einer Nasentamponade.

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